Die Welt steht Kopf!
Gestern haben wir hier Neujahr 2003 gefeiert, die Uhr tickt hier 12 stunden verschoben (statt 12 Uhr ist es 6 Uhr) und in den alten Ruinen vergessener Zeiten fuehlt man sich koeniglich in eine andere Epoche versetzt!
Aethiopien hat einen eigenen Kalender und somit hatten wir die Chance dieses Jahr ein zweites Mal Silvester zu feiern - also sind wir losgezogen und haben eine kleine Disko hier in Gondor ausfindig gemacht... Das neue Jahr wird hier aber eher in der Kirche und mit der Familie zelebriert - alle schick gekleidet und gut gelaunt. Trotzdem hatten wir viel Spass!
Und wie in Tansania und vielen anderen Laendern Ostafrikas auch, tickt die Uhr hier etwas anders und man muss sich immer versichern, ob die Abfahrtszeiten oder aehnliches jetzt in Aethiopischer oder europaeischer Zeit festgelegt wurden.
Wir befinden uns gerade im Norden Aethiopiens. Mit dem Minibus ging es letzte Woche los, vorbei an wunderschoenen Landschaften, atemberaubenden Schluchten und interessanten Doerfchen. Natuerlich stets begleitet von laut aufgedrehter Musik und dem Lachen der MitfahrerInnen. Unser Ziel war der Lake Tana und die Stadt Bahir Dar, das fuer seine unzaehligen Kloester bekannt ist. Unser Hotel direkt am See in mitten von schattenspendenen Palmen, duftenden Blumen und zwitschernden Voegeln war eine wahre Oase fuer eine kurze Erholung.
Unsere Fahrrad-Tour mit gemieteten Raedern ging zwar dank eines Platten, schlechter Piste und absolut fehlender Ortskenntnis etwas in die Hose, aber wir hatten sehr viel Spass!! :) Eine Bootstour zu einem kleinen Dorf auf einer Halbinsel, die sich sehr tropisch anfuehlte mit dem vielen Gruen, der Freuchtigkeit und den buten Voegeln war eines der Highlights. Dort haben wir einen Einblick in eines der Kloester erhalten und uralte Kronen und Umhaenge von vergangen Koenigen bestaunen duerfen. Hier gab es auch unzaehlige Malereien, die mich doch etwas schockten: Neben Engeln, der Geschichte Jesu und einigen Heiligen war hier so ziemlich jede Toetungsmethode abgebildet und natuerlich durfte auch der dicke Teufel in der Hoelle nicht fehlen.
Mein absolutes Highlight waren schliesslich die Blue Nile Falls, einige riesige Wasserfaelle etwas ausserhalb Bahir Dars, die mit einer solchen Macht in die Tiefe stuerzen und solche Gewalt ausstrahlen, dass man sich nicht gerade wuenscht an derem unteren Ende zu stehen :) Es war einfach einmalig und ich haette wahrscheinlich Stunden den Wassermassen zusehen und dem Bruellen des Wasser lauschen koennen! Das waren wunderbare Augenblicke!
Unsere Fahrt dorthin war etwas abenteuerlich in einem kleinen Tuktuk (dreiraedriges Gefaehrt) ueber unglaublich bucklige Pisten - uns wurde vorher versichert, die Strasse sei "very good"! :) Naja, wir haben wie immer das beste daraus gemacht!
Jetzt sind wir noch weiter noerdlich im in den Bergen gelegenen Gonder. Hier haben schon unzaehlige Koenige gelebt und geherrscht und die Gemaeuer und Ruinen ihrer vergangen Tage sind immernoch unglaublich beeindruckend. Wenn man durch diese alten, mit Moos ueberwachsenen oder mit dicken, kraeftigen Wurzeln bedeckten Gemauer wandert und die Geschichten, Legenden und Fakten ueber diesen Ort erfaehrt, kann man sich wunderbar in diese Zeit zurueck versetzen. Vor meinem Auge wurde alles ganz lebendig und ich konnte mir genau vorstellen, wie die koeniglichen Familien hier wohl hausen mussten - mit eigenem Dampfbad, riesigen Esssaelen, riesigem Garten, Loewen-Kaefigen (das Symbol Aethiopiens) und sich in ihrem riesigen Swimmingpool vergnuegend... Wirklich beeindruckend! Die Fotos werden wahrscheinlich ausdrucksstaerker sein als meine Worte, aber darauf muesst ihr evtl. noch bis Mwanza warten! :)
Insgesamt geht es uns fantastisch - die ersten Magenverstimmungen sind ueberlebt, das unglaublich scharfe Essen der Aethiopier wird immer gewohnter, wir in der Gruppe haben bis auf ein paar kleine Meinungsverschiedenheiten unglaublich viel Spass und sind immer am Lachen und wir freuen uns auf das, was noch kommt! Obwohl, gestern wurde uns schon etwas anders, als wir feststellten, wie viele Stunden wir bis Mwanza wohl noch im Bus verbringen werden! :) Das ist schon etwas selbstmoerderisch - danach kann wohl keiner von uns mehr Busse sehen! :)
Morgen geht es dann wieder weiter in den Osten nach Lalibela, die beruehmte Felsenstadt - ich bin gespannt und meld mich hoffentlich bald wieder!