Ramadan, Burka und Kamel-Bolognese
Es ist eine unglaubliche Hitze, der Wind weht mir den Sand der Strassen ins Gesicht, waehrend ich versuche die Tuecher, die meinen Koerper und meinen Kopf umhuellen, festzuhalten damit sie nicht im Wind davonfliegen. Um mich herum folgen viele Menschen dem Ruf des Muezzin zur Moschee, die Frauen in ihre Burkas gehuellt, die Maenner mit gierigen Blicken an uns haften bleibend... Immer wieder wandern Esel an uns vorbei durch die Gassen und Obststaende erstrahlen in den verschiedensten Farben der Fruechte, die wir nicht erlaubt sind zu essen, da es die heilige Zeit des Ramadan ist.
Mein Mund ist trocken und ich sehne mich nach nichts mehr als endlich einen Schluck Wasser zu trinken - doch auch das ist mir auf offener Strasse unmoeglich und ich bin wahnsinnig erleichtert, sobald wir die schuetzenden Waende unseres Hotelzimmers erreichen...
So aehnlich ging es uns zu Beginn unserer Reise in ein Land, das nicht sehr haeufig bereist wird, aber diese Erfahrungen sehr wert war: SOMALILAND!
Somaliland ist ein eigener Staat mit eigenem Regierungssystem, eigener Waehrung usw., der allerdings nicht international anerkannt ist. Somalia, der Staat, der immer wieder bei uns in den Nachrichten ist muss definitv von Somaliland unterschieden werden, das als relativ sicher fuer Auslaender gilt. Also macht euch keine Sorgen! :)
Unser Hinweg fuehrte uns durch die sehr unterschiedliche und sehr interessante Landschaft Aethiopiens in den Osten des Landes, wo wir nach den verschiedensten Transportmitteln schliesslich in einem Taxi landeten, das eigentlich fuer 5 Personen gedacht war aber von uns mit 12 Personen genutzt wurde - das nennt man wohl gute Kosten-Nutzen-Rechnung :)
Auf der Schlamm-Piste kamen wir allerdings nur schrittweise voran und waren sehr gluecklich endlich irgendwann in Hargeisa, der Hauptstadt Somalilands, anzukommen, wo schon ein nobles Hotel auf uns wartete. Da uns im Hotel gesagt wurde, wir koennten selbst entscheiden, ob wir uns verschleiern moechten oder nicht, haben wir es mal ohne gewagt. Auf den Strassen wurde das Geld an Tausch-Staenden in Tuermen gestapelt, da hier eine enorme Inflation herrscht. Der Markt war wunderbar - enge Gassen, alles sehr verwinkelt, leckere Fruechte, laechelnde Leute, das Rufen des Muezzin aus der Moschee, spielende Kinder... Doch diese Freude hielt leider nicht allzulange an, bis wir immer mehr von den Maennern angegafft wurden, die Frauen veraergert auf ihr Kopftuch oder die Burka deuteten und ein paar Kinder richtig frech zu uns wurden. Als wir feststellten, dass wir in der gesamten Stadt zu dieser Zeit kein Essen finden wuerden, da der Ramadan das verbietet und ich mich auf eine Diskussion mit einem Mann einlassen musste, da ich ein Schluck Wasser getrunken hatte, dass das Christentum keine gute Religion ist und er uns als unrein abgetan hat, ist unsere Begeisterung langsam gesunken.
Am Abend als es endlich etwas zu Essen gab, war es recht schwierig ein Restaurant zu finden, in dem auch Frauen essen duerfen - und wenn dann in einem abgetrennten Raum, der beinahe einem Gefaengnis glich. Und dann gab es Spaghetti-Bolognese mit Kamelfleisch! :) Mhhhhhh....
Am zweiten Tag haben wir uns angepasst, uns verschleiert, nur heimlich im Hotelzimmer gegessen und in unbeobachteten Momenten getrunken - und wir wurden wirklich besser behandelt auf der Strasse. Doch immer wieder stellten wir uns die Frage: Wo hoert Kultur auf und wo faengt Religion an? Ist es okay, von uns zu verlangen uns den religioesen Sitten des Landes anzupassen obwohl wir Christinnen sind?
Auch die Rolle der Frau hat mich hier sehr beschaeftigt und mich auch ziemlich traurig gemacht. Es kam mir sehr so vor, als waere Frau-sein etwas schlechtes, als muesse man sich dafuer beinahe schaemen. Man darf sich nicht zeigen als Frau, man darf nicht in ein Restaurant gehen und dort oeffentlich essen, man darf so vieles nicht.... Und laut den Zahlen im Lonley Planet muessen hier ca. 97% der Frauen das schlimme Ritual der Frauenbeschneidung ueber sich ergehen lassen! Ehrlich gesagt hat mich das alles ziemlich geschockt und auch ich als westliche Frau hab mich dort sehr eingeschraenkt gefuehlt und konnte auch die gierigen Blicke der Maenner nicht mehr ertragen. Am Schlimmsten war das nach Sonnenuntergang, wenn alle Maenner angefangen haben `chat` zu kauen, eine Pflanze, die von der Wirkung Marihuana sehr gleichen soll. Es war zwar so, als wuerden die Menschen auftauen, Spass haben und das Leben geniessen, aber die Maenner wurden einfach unertraegelich... Dafuer waren die Frauen umso netter! :)
Nach nur zwei Tagen in Somaliland haben wir wieder den Rueckweg angetreten und auch wenn wir viele schoene Erfahrungen gemacht haben, hatte ich wohl doch einen recht krassen Kulturschock und war total gluecklich wieder hier in Aethiopien sein zu koennen, wo ich einfach sein kann wie ich bin und essen kann wann ich will :)
Bald schreibe ich euch von unserem wunderbaren Aufenthalt hier in Harar, wohl eine der schoensten Staedte, die ich bisher in Afrika erleben durfte.
Und wir sind jetzt auch per Handy erreichbar: +251 921425510!